Manche Ideen begegnen uns nicht einfach – sie berühren uns und lassen uns nicht mehr los.
Auf dem Weltkongress erzählten mir drei niederländische Kolleginnen – Anneke, Anne-Gret und Janneke – von den „Heart Songs“: Die Herztöne eines Frühgeborenen werden aufgenommen und bilden die rhythmische Grundlage für ein ganz persönliches Erinnerungslied.
Für Familien, die eine lange und belastende Zeit auf der Neonatologie erleben, kann ein solches Lied etwas Bleibendes bewahren. Und wenn ein kleines Leben viel zu früh endet, wird der Herzschlag zu einer kostbaren Erinnerung: zu einem Klang, der weitergetragen werden kann.
Diese Idee nahm ich mit nach Hause – und sie begann, in mir weiterzuklingen.
Es folgten viele Stunden der Recherche, erste enttäuschende Aufnahmeversuche und schließlich die Suche nach einem professionellen digitalen Stethoskop. Das passende Gerät wurde eigentlich nur an medizinisches Fachpersonal verkauft. Doch über viele Ecken fand ich einen Arzt in den USA, erzählte ihm von meinem Vorhaben – und er half mir, weil auch ihn die Idee berührte.
Sechs Wochen, einige Umwege und insgesamt rund 900 Euro später hielt ich schließlich alles in den Händen, was ich für den ersten Versuch benötigte: ein digitales Stethoskop und einen professionellen Audiorekorder, der eine vollständig anonyme und datenschutzkonforme Aufnahme ermöglicht.
Vor wenigen Tagen war es dann so weit.
Mit der wertvollen Unterstützung einer Krankenschwester durfte ich die Herztöne eines Frühgeborenen aufnehmen. In der ursprünglichen Aufnahme hört man auch die Atmung. Der Herzschlag wird schneller und langsamer, stolpert und setzt manchmal kurz aus – zerbrechlich, eigenwillig und lebendig.
Ich filterte die Lungengeräusche behutsam heraus, passte den Herzschlag an das Tempo des Liedes an und formte aus seinen Klängen sämtliche Perkussionsinstrumente. Ab Minute 0:50 ist der originale Herzton als fortlaufende Sequenz zu hören.
So entstand „Little Heart“.
Ein erstes Experiment. Ein selbst geschriebener Song. Und vielleicht der Anfang von etwas, das Eltern in einer unendlich verletzlichen Zeit Trost, Nähe und eine bleibende Erinnerung schenken kann.
Denn manchmal bleibt ein kleiner Herzschlag nicht nur in einer Aufnahme erhalten.
Manchmal wird er zu Musik.
Und manchmal trägt ein Lied weiter, was Worte allein nicht halten können. ❤️





