Brixen 2027
Leitung: Prof. Dr. Tonius Timmermann
Zielgruppe:
Musiktherapeutinnen / Musiktherapeuten und therapeutisch Tätige, die sich auf musiktherapeutische Formen der Supervision einlassen möchten
Zeit: 6. – 9. Mai 2027
Unterbringung
/Seminar
preisgünstiges Übernachten und Essen im Jugendhaus Kassianeum
Seminarraum im Haus
Einige Zimmer sind für das Seminar bis Ende 2026 reserviert. Fragen Sie nach unter "Seminar Musiktherapie" direkt beim Kassianeum.
I – 39042
Brixen, Brunogasse 2
Tel: Telefon anzeigen
E-Mail: E-Mail anzeigen
Alternativen können bei der Organisation erfragt werden:
Dietmar Elsler
Handy: Telefon anzeigen
E-Mail: E-Mail anzeigen
Kursgebühr: 290 €
Die Anmeldung ist verbindlich mit der Überweisung dieses Betrags an:
VR Bank Starnberg-Zugspitze eG
Konto 4339800 BLZ 70093200
IBAN: DE 61 7009 3200 0004 3398 00 BIC: GENODEF1STH
Das Seminar wird mit 24 Fortbildungspunkten bei der DMtG zertifiziert.
Musiktherapeutische Supervision wendet Vorgehensweisen aus der Musiktherapie für die supervisorische Praxis an.
Dies sind:
freie Improvisationen mit Instrumenten, Stimme und Bewegung in der Gruppe, sowie Partnerspiele, Für-Spiele, Rollenspiele…,
spezielle musiktherapeutische Systemaufstellungen, in denen die Stellvertreter:innen aus den Rollen heraus musikalisch und körperlich interagieren; im Unterschied zum Sprechen geschieht dies in sinnvoller Gleichzeitigkeit („Klingende Systeme“),
kollegiale Gesprächsrunden.
Die Supervisionen können sich beziehen auf Behandlungsfälle, institutionelle Fragestellungen sowie persönliche Probleme. Bei den musiktherapeutischen Vorgehensweisen kann es zu Selbsterfahrungseffekten kommen. Die Teilnehmenden sind damit einverstanden.
Literatur:
Strobel, Wolfgang; Loos, Gertrud; Timmermann, Tonius (1988): Die musiktherapeutische Balint-Gruppenarbeit. In: Musiktherapeutische Umschau, 9, 267 – 283
Timmermann, Tonius (2003): Klingende Systeme. Aufstellungsarbeit und Musiktherapie. Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg, (nur noch elektronisch über die Homepage des Verlages)
Arbeitszeiten
| Tag | Zeiten |
| Do 06.05 | 16.30–18.00 Uhr und 20.00–21.30 Uhr |
| Fr 07.05 | 09.00–12.00 Uhr und 14.30–17.30 Uhr |
| Sa 08.05 | 9.00–12.00 Uhr und 14.30–17.30 Uhr |
| So 09.05 | 09.00-12.00 Uhr |
Musiktherapie als lebendiger Beziehungsraum
bei Prof
. Dr. Tonius Timmermann
Author: Dietmar Elsler
Die Arbeit von Tonius Timmermann versteht Musiktherapie nicht isoliert als Methode, sondern als dynamisches, lebendiges System. Im Zentrum steht die Idee, dass musikalische Prozesse immer eingebettet sind in komplexe Beziehungsgefüge – zwischen Menschen, innerhalb von Gruppen und im individuellen Erleben.
Musik wird dabei nicht nur als Ausdrucksmittel gesehen, sondern als eigenständiger Wirkfaktor: Sie schafft Räume, in denen sich innere Zustände zeigen, verändern und neu organisieren können. Therapeutische Prozesse entstehen weniger durch gezielte Interventionen im klassischen Sinne, sondern vielmehr durch das bewusste Mitgestalten und Begleiten dieser „klingenden Systeme“.
Ein wesentlicher Ansatz ist das systemische Denken: Jede musikalische Interaktion ist Teil eines größeren Zusammenhangs. Klänge, Rhythmen und musikalische Strukturen spiegeln Beziehungsmuster wider und machen sie erfahrbar. Dadurch können auch unbewusste Dynamiken hörbar und bearbeitbar werden.
Ein zentraler Zugang in diesem Kontext sind die musiktherapeutischen systemischen Aufstellungen.
Wie funktionieren musiktherapeutische systemische Aufstellungen?
Ausgangspunkt ist ein inneres oder äußeres System – etwa eine Familie, ein Team, ein innerer Konflikt oder eine persönliche Fragestellung. Dieses System wird nicht nur räumlich, sondern vor allem klanglich dargestellt.
Teilnehmende als Stellvertreter:innen übernehmen Positionen innerhalb des Systems und bringen diese nicht primär durch Worte, sondern durch Klänge, Geräusche, Rhythmen sowie musikalischen und körperlichen Ausdruck. So entsteht ein „klingendes Feld“, in dem Beziehungen hörbar werden.
Dabei zeigen sich oft unmittelbar:
Spannungen, Nähe und Distanz
Dynamiken von Zugehörigkeit oder Ausschluss
Rollen und implizite Erwartungen
emotionale Qualitäten innerhalb des Systems
Die Musik wirkt hier wie ein Resonanzraum: Veränderungen im System – etwa durch Positionswechsel, neue musikalische Impulse oder bewusste Interventionen – führen zu hörbaren und spürbaren Veränderungen im Gesamtklang. Prozesse werden dadurch nicht nur verstanden, sondern unmittelbar erlebt.
Im Unterschied zu rein verbalen oder klassischen Aufstellungsformaten ermöglicht die musikalische Ebene einen direkteren Zugang zu implizitem Wissen und emotionalen Erfahrungen. Im Gegensatz zur sprachlichen Ebene gibt es hier eine sinnvolle Gleichzeitigkeit in der gruppenimprovisarischen Interaktion. Das, was schwer in Worte zu fassen ist, wird hörbar, fühlbar und gestaltbar.
Die Rolle der Therapeut:in
Die Leitung begleitet den Prozess mit hoher Sensibilität für musikalische und zwischenmenschliche Resonanzen. Sie strukturiert den Rahmen, gibt gegebenenfalls Impulse und unterstützt dabei, dass sich das System organisch entfalten kann.
Dabei geht es nicht um „richtige” Lösungen, sondern um das Erleben von stimmigeren Konstellationen, neuen Perspektiven und erweiterten Handlungsspielräumen.
Einsatz in Supervision und Weiterbildung
Die musiktherapeutischen systemischen Aufstellungen bilden eine zentrale methodische Grundlage in den Supervisionsseminaren von Tonius Timmermann. Sie dienen dort als praxisnahes und zugleich tiefgehendes Instrument, um konkrete Fälle, Fragestellungen und berufliche Herausforderungen erfahrungsorientiert zu bearbeiten.
Erstmals richten sich diese Seminare nicht ausschließlich an Musiktherapeut:innen, sondern ausdrücklich auch an andere Fachkräfte aus therapeutischen Arbeitsfeldern. Ziel ist , durch das, was sich in den Aufstellungen zeigt, tiefer in ein tiefenpsychologisch-systemisches Denken einzudringen, innerpsychische, gruppendynamische und transgenerationale Phänomene in Familien und anderen Systemen besser zu verstehen.
Was macht diesen Ansatz besonders?
Verbindung von systemischer Aufstellungsarbeit und Musiktherapie
Zugang zu unbewussten und vorsprachlichen Ebenen
unmittelbares Erleben von Beziehungsmustern durch klangsymbolische Interaktion
Förderung von Veränderung durch Resonanz und kreative Gestaltung mit einem “flüchtigen” Medium wie Musik
hohe Prozessoffenheit bei gleichzeitig klarer methodischer Rahmung
Warum lohnt sich eine Vertiefung?
Die musiktherapeutischen systemischen Aufstellungen nach Tonius Timmermann eröffnen einen intensiven Erfahrungsraum, in dem komplexe Systeme nicht nur verstanden, sondern sinnlich erfahrbar werden können.
Seine Seminare laden dazu ein, diese besondere Form der Arbeit selbst zu erfahren, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und neue Zugänge zu therapeutischer Veränderung zu entdecken.
Wichtig ist dabei ausdrücklich: Für die Teilnahme an den Seminaren und für die Anwendung der musiktherapeutischen systemischen Aufstellungen sind keinerlei musikalische Vorkenntnisse oder eine musikalische Ausbildung erforderlich. Im Mittelpunkt steht nicht musikalische „Performance“ oder technische Fertigkeit, sondern der unmittelbare Ausdruck über Klang, Geräusch, Stimme und Körperlichkeit. Jede Person bringt ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten mit – unabhängig davon, ob sie sich selbst als musikalisch erlebt oder nicht. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich auf das Hören, Spüren und klangliche Mitgestalten von Prozessen einzulassen.
(Bei musiktherapeutischen Vorgehensweisen kann es zu Selbsterfahrungseffekten kommen. Die Teilnehmenden sind damit einverstanden.)